Für mich liegt die besondere Kraft von Samhain jedoch nicht nur im Ahnen- und Totengedenken.
Sie liegt auch in der Dunkelheit selbst.
Wir leben heute in einer Welt, in der Dunkelheit kaum noch vorgesehen ist.
Wenn es draußen dunkel wird, schalten wir das Licht ein.
Straßenlaternen erhellen unsere Wege. Schaufenster leuchten. Bildschirme begleiten uns bis ins Bett. Und kaum hat die dunkle Jahreszeit begonnen, hängen überall Lichterketten.
Wir können uns der Dunkelheit weitgehend entziehen.
Die Natur kann es nicht. Sie zieht sich zurück.
Das sichtbare Wachstum endet. Bäume lassen ihre Blätter fallen. Stauden sterben oberirdisch ab. Samen liegen unscheinbar in der Erde.
Von außen betrachtet scheint wenig zu geschehen.
Doch das bedeutet nicht, dass nichts geschieht.
Unter der Erde ruht bereits das, was später wieder wachsen kann.
Dunkelheit ist nicht einfach Leere.
Sie kann Schutz sein. Ruhe. Sammlung.
Als ich begonnen habe, Samhain zu feiern, habe ich allmählich verstanden, wie kostbar diese Qualität ist.
Denn auch wir Menschen können nicht ununterbrochen wachsen, leisten, gestalten und hervorbringen.
- Es gibt Zeiten des Werdens.
Und Zeiten des Vergehens.
Zeiten des Handelns.
Und Zeiten des Rückzugs.
Der Jahreskreis erinnert uns daran, dass beides zum Leben gehört.