Samhain feiern – Bedeutung des keltischen Totenfestes und Beginn der dunklen Jahreszeit

Beginn der dunklen Jahreszeit

Draußen liegt dieser ganz eigene Duft in der Luft – feucht, herb, nach Erde, Laub und ein wenig nach Abschied.

Die leuchtenden Farben des frühen Herbstes verschwinden langsam. Immer mehr Blätter liegen auf dem Boden, die Äste werden kahl. Morgens hängt Nebel über den Feldern. Die Tage werden merklich kürzer und manchmal scheint es, als würde es gar nicht mehr richtig hell.

Der Herbst geht in den Winter über.
Die Natur zieht sich zurück.

Genau an dieser Schwelle feiern wir Samhain, eines der alten keltischen Jahreskreisfeste. Es markiert den Übergang in die dunkle Jahreshälfte und ist eng mit dem Gedenken an die Toten und Ahnen verbunden.

Vielleicht ist Samhain gerade deshalb ein Fest, das uns heute noch etwas zu sagen hat.

Denn während wir die Dunkelheit in unserem modernen Alltag möglichst schnell vertreiben, erinnert uns die Natur daran:

Die Dunkelheit ist nicht das Ende. Sie gehört zum Leben.

Was ist Samhain?

Das letzte Erntefest

Samhain gehört zu den bedeutenden Festen des alten keltischen Jahreskreis und markierte den Übergang vom Sommer in den Winter. 

Es hat sich eingebürgert Samhain in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November zu feiern.

Die helle Jahreshälfte geht zu Ende. Die dunkle beginnt.

Das Wachstum draußen kommt weitgehend zum Erliegen. Die Erntezeit endet für dieses Jahr. Was in der Natur verbleibt, wird der Natur überlassen bzw. als ihr zughörig angesehen. Die Kräfte ziehen sich zurück.

Es ist eine Zeit des Übergangs.

Samhain – das Fest der Toten und Ahnen

Die Grenzen zwischen den Welten sind durchlässiger.

In den alten Erzählungen der britischen Inseln begegnen sich rund um Samhain immer wieder Menschen und Wesen der Anderswelt. Die Grenzen zwischen der diesseitigen und der jenseitigen Welt sind zugänglicher.

Bräuche dieser Jahreszeit sind eng mit Toten, Geistern und dem Gedenken an Verstorbene verbunden.

Bis heute hat sich etwas davon erhalten.

Wir entzünden Lichter.
Wir besuchen Gräber.

Wir erzählen von Menschen, die nicht mehr unter uns sind.
Und wir geben unseren Toten für einen Moment wieder einen Platz mitten unter den Lebenden.

Das gefällt mir an Samhain besonders.

Denn unsere Verstorbenen verschwinden nicht einfach aus unserer Geschichte.

Sie haben uns geprägt.

Vielleicht tragen wir die Augen unserer Großmutter, die Hände unseres Vaters oder das Lachen eines Menschen in uns, der längst gestorben ist.

Wir kochen Gerichte nach Rezepten, die uns jemand beigebracht hat. Wir benutzen Redewendungen unserer Eltern und Großeltern. Wir erzählen Geschichten weiter. Manchmal ertappen wir uns bei einer Geste und erkennen darin plötzlich einen Menschen wieder, den es schon lange nicht mehr gibt.

Unsere Vorfahren leben auf ganz unterschiedliche Weise in uns weiter.

Samhain gibt diesem Erinnern einen Platz.

Von Samhain zu Halloween

Bräuche verändern sich

Wer am 31. Oktober durch unsere Straßen geht, begegnet heute allerdings weniger Ahnentellern als leuchtenden Kürbissen, Gespenstern, Hexenhüten und Kindern, die an Haustüren nach Süßigkeiten fragen.

Halloween ist längst auch bei uns angekommen.

Doch viele Motive dieses Festes haben eine lange Vorgeschichte.

Mit irischen und schottischen Einwanderern gelangten im 19. Jahrhundert zahlreiche Bräuche rund um den Vorabend von Allerheiligen nach Nordamerika. Dort vermischten sie sich mit anderen Traditionen und entwickelten sich weiter.

Aus Rübenlaternen wurden beispielsweise die heute bekannten Kürbislaternen. Verkleidungen, Umzüge, Spiele und Bräuche rund um Geister und unheimliche Wesen veränderten sich über Generationen hinweg.

Das heutige Halloween ist deshalb nicht einfach Samhain unter einem neuen Namen.

Und trotzdem können wir darin Spuren einer sehr alten menschlichen Beschäftigung erkennen:

Was geschieht an der Grenze zwischen Licht und Dunkelheit, Leben und Tod, Bekanntem und Unbekanntem?

Vielleicht liegt gerade darin der Grund, weshalb uns diese Bilder bis heute faszinieren.

Wenn die Dunkelheit beginnt

Für mich liegt die besondere Kraft von Samhain jedoch nicht nur im Ahnen- und Totengedenken.

Sie liegt auch in der Dunkelheit selbst.

Wir leben heute in einer Welt, in der Dunkelheit kaum noch vorgesehen ist.

Wenn es draußen dunkel wird, schalten wir das Licht ein.

Straßenlaternen erhellen unsere Wege. Schaufenster leuchten. Bildschirme begleiten uns bis ins Bett. Und kaum hat die dunkle Jahreszeit begonnen, hängen überall Lichterketten.

Wir können uns der Dunkelheit weitgehend entziehen.

Die Natur kann es nicht. Sie zieht sich zurück.

Das sichtbare Wachstum endet. Bäume lassen ihre Blätter fallen. Stauden sterben oberirdisch ab. Samen liegen unscheinbar in der Erde.

Von außen betrachtet scheint wenig zu geschehen.
Doch das bedeutet nicht, dass nichts geschieht.

Unter der Erde ruht bereits das, was später wieder wachsen kann.

Dunkelheit ist nicht einfach Leere.

Sie kann Schutz sein. Ruhe. Sammlung.

Als ich begonnen habe, Samhain zu feiern, habe ich allmählich verstanden, wie kostbar diese Qualität ist.

Denn auch wir Menschen können nicht ununterbrochen wachsen, leisten, gestalten und hervorbringen.

  • Es gibt Zeiten des Werdens.
    Und Zeiten des Vergehens.
    Zeiten des Handelns.
    Und Zeiten des Rückzugs.

Der Jahreskreis erinnert uns daran, dass beides zum Leben gehört.

Dunkelheit ist nicht einfach Leere.

Unter der Erde ruht bereits das, was später wieder wachsen kann.

Sie kann Schutz sein.
Ruhe.
Sammlung.

Ein Raum, in dem etwas verborgen bleiben darf, bevor es sichtbar wird.

Als ich begonnen habe, Samhain zu feiern, habe ich allmählich verstanden, wie kostbar diese Qualität ist.

Denn auch wir Menschen können nicht ununterbrochen wachsen, leisten, gestalten und hervorbringen.

  • Es gibt Zeiten des Werdens.
  • Und Zeiten des Vergehens.
  • Zeiten des Handelns.
  • Und Zeiten des Rückzugs.

 

Der Jahreskreis erinnert uns daran, dass beides zum Leben gehört.

Die Dunkelheit ist der Schoß des Lebens

Nicht die lästige Unterbrechung zwischen zwei Sommern.

Ein Samenkorn in der Erde sieht unscheinbar aus. Er liegt verborgen im Dunkeln.

Und doch trägt es bereits alles in sich, was später einmal sichtbar werden kann.

 

Vielleicht können wir die dunkle Jahreszeit deshalb anders betrachten: 

Nicht als lästige Unterbrechung zwischen zwei Sommern.
Nicht als etwas, das wir möglichst schnell hinter uns bringen müssen.

Sondern als einen notwendigen Teil des Kreislaufs.
Die Dunkelheit ist kein Ende. Sie ist der Schoß des Lebens.

In ihr sammelt sich die Kraft, aus der später Neues entstehen kann.

Samhain steht an der Schwelle zu dieser Zeit.

Noch wissen wir nicht, was aus der Dunkelheit hervorgehen wird.

Und wir müssen es auch noch gar nicht wissen.

Räuchern zu Samhain

Für mich gehört das Räuchern zu dieser Jahreszeit ganz selbstverständlich dazu.

Wenn draußen die Feuchtigkeit in der Luft liegt und es früh dunkel wird, entzünde ich gerne Pflanzen, die ich über das Jahr gesammelt und getrocknet habe.

Das Knistern.
Der Duft, der sich langsam im Raum ausbreitet.
Der Rauch, der aufsteigt und seine Form immer wieder verändert.

All das verändert für mich die Atmosphäre eines Raumes.

Räuchern begleitet Menschen seit sehr langer Zeit. Pflanzen wurden und werden in unterschiedlichen Kulturen zur Reinigung, zum Schutz, als Opfergabe oder zur Begleitung von Übergängen verwendet.

Auch zu Samhain passt das Räuchern deshalb besonders gut.

Denn Rauch ist selbst etwas Flüchtiges.
Für einen kurzen Moment können wir ihn sehen – und dann verschwindet er wieder.

Beifuß an Samhain

Eine meiner liebsten Pflanzen zum Räuchern ist Beifuß.

Beifuß gehört zu den alten europäischen Ritual- und Räucherpflanzen und wurde traditionell unter anderem mit Schutz, Reinigung und Übergängen verbunden. Er erleichtert den Kontakt zu der Welt der Ahn*innen.

Pflanzen sind dabei für mich nicht einfach Zutaten für ein Ritual.

Wenn wir beginnen, sie über das Jahr hinweg wahrzunehmen, ihre Veränderungen zu beobachten und vielleicht behutsam etwas von ihnen zu sammeln, entsteht Beziehung.

Und genau darum geht es für mich beim Feiern der Jahreskreisfeste immer wieder.

Ein einfaches Samhain-Ritual

Weniger ist gerade am Anfang mehr.

Als Einstieg musst du Samhain nicht groß feiern. 

Vielleicht löschst du an einem Abend rund um den 31. Oktober einfach für eine Weile das elektrische Licht.

Zünde eine Kerze an und wenn du möchtest, etwas Räucherwerk.

Lege ein Foto oder einen Gegenstand eines Menschen dazu, an den du dich erinnern möchtest.
Und dann werde für einige Minuten still.

  • Du kannst dich fragen: Wem möchte ich heute einen Platz in meiner Erinnerung geben
  • Wofür möchte ich Danke sagen?
  • Was darf mit dem vergangenen Jahr langsam zu Ende gehen?
 
 

Vielleicht möchtest du dich anschließend an einen lieben verstorbenen Menschen erinnern.

Eine Geschichte. Eine Erinnerung. Etwas Lustiges.
Etwas, das typisch für diesen Menschen war.

Auch das ist Gedenken. 

Denn unsere Toten zu ehren muss nicht ausschließlich traurig und schwer sein.

Wir dürfen mit ihnen lachen. Wir dürfen ihre Geschichten erzählen.

Wir dürfen ihr Lieblingsessen kochen. Wir dürfen uns daran erinnern, wie es war, als sie noch mit uns am Tisch saßen.

Warum Samhain heute noch Bedeutung hat

Wir müssen nicht leben wie die Menschen vor Jahrhunderten, um die alten Jahreskreisfeste zu feiern.

Und wir müssen auch nicht versuchen, historische Rituale möglichst genau zu rekonstruieren.

Unsere Lebenswelt ist eine andere.
Aber die grundlegenden Erfahrungen, aus denen solche Feste entstanden sind, kennen wir noch immer.

Das Licht nimmt ab.
Die Vegetation zieht sich zurück.
Etwas endet.
Menschen sterben.
Wir erinnern uns.

Und irgendwann entsteht aus dem scheinbar Leblosen wieder neues Leben.

 

Vielleicht hat Samhain gerade deshalb über so lange Zeit in veränderten Formen weitergelebt.
Weil sie Erfahrungen einen Platz geben, die größer sind als eine einzelne Epoche.

Samhain lädt uns ein, nicht sofort zum nächsten Anfang weiterzueilen.

Sondern uns zu erinnern. Zu danken.

Die Dunkelheit ist nicht das Ende. 

Samhain feiern und den Jahreskreis erleben

Samhain lässt sich an einem Abend feiern.

Doch seine Bedeutung erschließt sich noch einmal anders, wenn wir beginnen, den ganzen Jahreskreis bewusst mitzuerleben.

Wenn wir beobachten, wie aus der Dunkelheit langsam wieder Licht entsteht. Wie sich erste Lebenszeichen zeigen. Wie alles wächst, blüht und reift – und schließlich wieder zurückkehrt.

Genau diese Beziehung zum Jahreskreis möchte ich ab Januar 2027 gemeinsam mit einer kleinen Gruppe über ein ganzes Jahr vertiefen.

Nicht nur darüber lesen.
Nicht acht einzelne Feste kennenlernen.
Nicht alleine nur für dich.

Zusammen beobachten, in Gemeinschaft feiern und erfahren, dass wir selbst Teil dieser natürlichen Rhythmen sind.

Wenn dich das ruft, kannst du dich unverbindlich auf die Warteliste für meine Jahreskreisgruppe setzen. Bis zum Start nehme ich dich mit hinter die Kulissen und teile Gedanken und Einblicke in die Entstehung dieser Begleitung.

Kennst du einen Menschen, für den diese Impulse gerade wohltuend sein könnten?
Teile den Artikel gerne weiter.

Herzlich
Simone

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