Menschen beobachten seit Jahrtausenden den Lauf von Sonne und Mond und die wiederkehrenden Veränderungen in der Natur. Sonnenwenden, Tag-und-Nachtgleichen und andere markante Zeiten im Jahreslauf wurden zu besonderen Momenten, an denen Gemeinschaften innehielten, feierten und sich ihrer Verbindung mit der sie umgebenden Welt vergewisserten.
Für unsere Vorfahren war diese Beziehung zur Natur existenziell. Ihr Leben war unmittelbar mit den Jahreszeiten, dem Wetter, dem Wachstum der Pflanzen und dem Wohlergehen der Tiere verbunden. Sie wussten aus Erfahrung, wann die Zeit des Säens, des Wachsens, der Ernte und des Rückzugs gekommen war.
Doch ebenso erfahrbar war, dass sich das Leben niemals vollständig kontrollieren lässt. Ob die Saat aufging, ausreichend Regen fiel oder die Ernte den Winter hindurch reichen würde, lag nicht allein in menschlicher Hand.
Feste und Rituale gaben diesem Bewusstsein Ausdruck. Menschen baten um Schutz und Wachstum, brachten Gaben dar, dankten und feierten gemeinsam. Die sichtbare und die unsichtbare Welt waren dabei nicht so selbstverständlich voneinander getrennt, wie wir es heute gewohnt sind.
Heute sind die meisten von uns nicht mehr unmittelbar von der eigenen Ernte abhängig. Lebensmittel liegen das ganze Jahr über in den Regalen, Licht gibt es auf Knopfdruck und Wärme auf Knopfdrehung. Vieles in unserem Alltag lässt uns vergessen, wie sehr auch unser Leben von der Erde und ihren natürlichen Kreisläufen getragen wird.
Vielleicht liegt genau darin eine neue Bedeutung der Jahreskreisfeste.
Sie erinnern uns daran, dass wir der Natur nicht gegenüberstehen. Wir sind Teil von ihr. Teil dieser Schöpfung, dieses großen Geflechts des Lebendigen.
Diese Verbindung wieder zu spüren, ist für mich mehr als eine schöne Erfahrung. Denn aus Verbundenheit erwächst auch Verantwortung. Wenn ich mich als Teil dieser lebendigen Welt erfahre, verändert sich mein Blick darauf, wie ich mit ihr umgehe, was ich ihr entnehme und was ich zurückgebe.
Vielleicht müssen wir heute tatsächlich wieder lernen, was für unsere Vorfahren selbstverständlich war: unser Leben stärker in Beziehung mit allem Lebendigen zu führen. Nicht aus Angst oder mit erhobenem Zeigefinger, sondern aus Liebe zu dieser wunderschönen Welt – und aus dem tiefen Wunsch heraus, sie nicht nur für uns zu bewahren.
Jahreskreisfeste erinnern uns immer wieder an diese wunderschöne Beziehung, die uns zuhause fühlen lässt.